Dr. Christopher Po Minar:

Psoriasis ganzheitlich mit TCM behandeln

Dr. Christopher Po Minar verbindet die Stärken der modernen Schulmedizin mit denen der traditionellen chinesischen Akupunktur und Kräuterheilkunde sowie des medizinischen Qigong. Im Interview erklärt der Mediziner, welche Ursachen Psoriasis zugrunde liegen und wie Schuppenflechte mit TCM behandelt werden kann.

Dr. Minar, Sie sind spezialisiert auf die Behandlung chronischer Krankheiten. Wie kann man Psoriasis aus Sicht der TCM am besten in den Griff bekommen?
Dr. Christopher Po Minar: Die Traditionelle Chinesische Medizin sieht den Menschen immer in seiner Gesamtheit. Insofern ist auch jede Hauterkrankung ein systemisches Problem des gesamten Körpers. Hierin unterscheidet sich die TCM ganz wesentlich von der westlichen Schulmedizin, welche die Haut meist sehr isoliert betrachtet. Um eine langfristige Besserung bzw. Heilung einer chronischen Hauterkrankung zu ermöglichen, ist es aus Sicht der TCM immer essenziell die Hauterkrankung von innen heraus zu behandeln, da sonst jegliche Maßnahmen, welche über die Oberfläche der Haut wirken (Salben, Bestrahlungen, ...) immer nur kurzfristig Linderung schaffen können. Psoriasis stellt somit eine klassische Indikation innerhalb der TCM dar, welche sich meist sehr gut behandeln lässt.

Kann man auch vorbeugen, sodass es gar nicht erst zu einem Schub kommt?
Dr. Christopher Po Minar: Die Stärke der TCM ist seit jeher immer die Prävention. Eine Erkrankung erst dann zu behandeln, wenn sie bereits massiv ausgebrochen ist, ist in etwa so, als ob man einen Brunnen graben würde, wenn man bereits am Verdursten ist. Die Stärke der TCM liegt definitiv in der Früherkennung von Ungleichgewichten des Körpers und Geistes, die dadurch auch schon sehr früh behandelt werden können, oft lange bevor sich eine Erkrankung tatsächlich manifestiert und festsetzt.

Welche Organe sind laut TCM an Psoriasis beteiligt und warum?
Dr. Christopher Po Minar: Das Wesen der Traditionellen Chinesischen Medizin liegt darin, dass jeder Patient immer absolut individuell diagnostiziert und behandelt wird. Somit ist die Therapie der Psoriasis auch bei jedem einzelnen Menschen anders. Im Wesentlichen sind es aber aus Sicht der TCM fünf Hauptfaktoren, die sich dann in unterschiedlichsten Kombinationen und Varianten im Metallelement des Körpers, sprich der Haut, zeigen:

1. Blut-Hitze: Durch eine Überhitzung des Blutes kommt es zu Rötungen und Entzündungen der Haut bis hin zu Blutungen. 

2. Feuertoxine: Wenn die Überhitzung der Haut sehr stark wird und das Gewebe verändert, so spricht man von Feuertoxinen, welche die Haut schädigen

3. Wind: Wind stellt ein chaotisch und unkontrolliert fließendes Qi im Körper dar. Dieser ist dann für Juckreiz verantwortlich.

4. Bluttrockenheit und Yin-Mangel: Hier kommt es zu einer Austrocknung des Körpers und der Haut durch eine Schwäche des Blutes und Auszerrung der Grundsubstanz des Körpers. Die Haut wird nicht mehr gut genährt und kann sich nicht mehr regenerieren.

5. Blutstase: Vor allem in chronischen Erkrankungen spielt eine schlechte Blutzirkulation in den Kollateralgefäßen der Haut eine maßgebliche Rolle. Dies kann zu hartnäckigen Läsionen führen. 

Was kann man unmittelbar gegen den Juckreiz tun?
Dr. Christopher Po Minar: Es gilt mittels Akupunktur und Kräutertherapie den Wind auszuleiten und die Ursache für diesen inneren Wind (oft Blutmangel, Yin-Mangel oder Qi-Stagnation) zu beseitigen.

Welche Rolle spielt die Psyche bei Psoriasis aus Sicht der TCM?
Dr. Christopher Po Minar: Die Traditionelle Chinesische Medizin trennt seit jeher Körper und Psyche nicht. Beide sind unterschiedliche Manifestationen von Lebensenergie „Qi“. Gerade die bei der Psoriasis häufige Hitze im Blut kann auch auf „emotionale Hitze“ durch starke Aufregung oder emotionalen Stress verursacht worden sein. Deswegen werden in der Therapie der Psoriasis immer auch den Geist beruhigende Kräuter eingesetzt.

Welche Rolle spielt die Ernährung aus TCM Sicht?
Dr. Christopher Po Minar: Ähnlich wie in der Kräutertherapie müssen die Nahrungsmittel hier auf das individuelle Muster abgestimmt sein. Insofern kann es manchmal sinnvoll sein mehr kühlende Nahrungsmittel wie Gurken oder Tomaten zu essen und erhitzende Nahrungsmittel wie scharfe Gewürze zu meiden. In anderen Fällen kann es wiederum wichtiger sein Yin-und Blutstärkende Nahrungsmittel, welche sehr reichhaltig an Nährstoffen und Mineralstoffen sind, zu essen.

Welche TCM-Kräuter empfehlen Sie?
Dr. Christopher Po Minar: TCM-Kräuter sollten niemals ohne die Aufsicht eines erfahrenen TCM-Arztes eingenommen werden, da es sich hier um äußerst potente Heilmittel handelt, welche ausschließlich nach Erstellen einer TCM-Diagnose mittels Puls-und Zungenbefundes eingenommen werden dürfen. All diese Kräuter werden auch nie einzeln, sondern immer in Kombination eingenommen. Dies ist absolut essenziell, um einen Therapie-Erfolg gewährleisten zu können und Nebenwirkungen auszuschließen.

Blutkühlende Kräuter sind beispielsweise Sheng Di Huang (Rehmanniae Glutinosae Radix), Mu Dan Pi (Moutan Radicis Cortex), Chi Shao Yao (Paeoniae Rubrae Radix).

Feuertoxine werden in der TCM beispielsweise durch Kräuter wie Tu Fu Ling (Smilacis Glabrae Rhizoma), Bai Xian Pi (Dictamni Dasycarpi Radicis Cortex) oder Bai Hua She She Cao (Hedyotidis = Oldenlandiae Herba) behandelt.

Wind-vertreibende Kräuter sind beispielsweise Fang Feng (Ledebouriellae Divaricatae Radix) oder Bai Ji Li (Tribulli Terrestris Fructus).

Yin- und Blutstärkende Kräuter können z.B. Shu Di Huang (Rehmanniae Glutinosae Radix Praeparata) oder Dan Shen (Salviae Miltiorrhizae Radix) sein, Blutstase auflösende Kräuter z.B. Tao Ren (Pruni Persicae Semen), Hong Hua (Flos Carthami).

Stichwort Akupunktur: Kann man damit gute Erfolge erzielen?
Dr. Christopher Po Minar: Die Akupunktur behandelt im wesentlichen die selben Ungleichgewichte wie die Kräutertherapie, arbeitet aber über die Meridiane und Akupunkturpunkte des Körpers. Sie stellt somit eine Reiztherapie auf energetischer Ebene für den Körper dar. Gallenblase 20 (Fengchi) klärt beispielsweise Wind, Milz 10 (Xue Hai) kühlt und bewegt das Blut, Milz 6 (Sanyinjiao) nährt das Yin um nur ein paar wenige zu nennen. Hier muss der erfahrene TCM-Arzt aus den über 350 Akupunkturpunkten des Körpers die wählen, die für die aktuelle Situation sinnvoll sind.

Können Patienten mit Psoriasis normal Urlaub im Sommer? Es heißt ja, zuviel Sonne sei zu vermeiden.
Dr. Christopher Po Minar: Bei Patienten mit Blut-Hitze und Feuertoxinen ist es selbstverständlich nicht ratsam zu viel in die Sonne zu gehen. Bei anderen Formen kann es allerdings wiederum durchaus in Ordnung sein. Auch dies ist individuell verschieden.

Welche Entspannungstechniken würden Sie einem Patienten empfehlen und warum?
Dr. Christopher Po Minar: Ich empfehle medizinisches Qigong, es verstärkt den Therapie-Erfolg. Alle Formen der Entspannung sind natürlich gut, um einen freien Qi-Fluss zu fördern und den Geist zu beruhigen. Wichtig hierbei ist es nur, dass diese Übungen auch ordentlich (z.B. in einem Kurs oder einem Einzeltraining) erlernt werden, da das Erlernen solcher Techniken aus Büchern oder Videos meist nur einen kleinen Erfolg bringt.

Ihre Top 3 Tipps für einen Psoriasis-Patienten?
Dr. Christopher Po Minar: Die 3 wichtigsten Grundpfeiler in der TCM um Psoriasis zu behandeln sind: Kräutertherapie, gezielte Ernährungsumstellung, medizinisches Qigong. Durch die Kombination dieser drei Verfahren zeigt sich meist schon sehr rasch eine starke Besserung der Beschwerden und des Hautbildes.

Anshen Zentrum Alte Donau
Dr. med. univ. Christopher Po Minar
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