Sr. Paus Sator

Dozent Dr. Paul Sator

Doktor Paul Sator, Leiter der Psoriasis-Ambulanz am Krankenhaus Hietzing in Wien

Psoriasis nachhaltig behandeln

Dermatologe Dr. Paul Sator hat mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Behandlung von Schuppenflechte. Auch wenn es keine Heilung für die chronisch schubartige verlaufende Erkrankung gibt, mit der richtigen Behandlung lebt man als Patient beschwerdefrei. Im Gespräch erzählt der Psoriasis-Experte aus seinem Alltag als Leiter der Ambulanz, was man tun kann und an welchen neuen Behandlungsmethoden die Forschung gerade arbeitet.

Welche Patienten kommen zu Ihnen? Was ist das häufigste Alter?
Dr. Paul Sator: Grundsätzlich kommen alle Patienten zur mir, die Psoriasis haben. Es gibt Typ 1, der häufig vererbt wird und meist vor dem 40. Lebensjahr auftritt. Hier ist der Krankheitsverlauf oft schwerer. Typ 2 wird kaum vererbt, tritt eher nach dem 40. Lebensjahr auf und ist durch einen meist schwächeren Verlauf gekennzeichnet. Vom Alter her kommen schwerpunktmäßig zwei Gruppen zu mir: junge Erwachsene zwischen 25 und 30 Jahren und Menschen zwischen 50 und 70 Jahren.

Haben Sie auch viele Kinder als Patienten?
Kinder sind eher selten. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Psoriasis bei Kindern oft unentdeckt bleibt. Viele Eltern gehen mit ihrem Kind zuerst zum Kinderarzt oder zum praktischen Arzt, z. B. bei Veränderungen an der Kopfhaut und an den Zehen. Erst kürzlich waren Eltern mit ihrer zweijährigen Tochter wegen eines Nagelpilzes beim Kinderarzt. Erst danach sind sie zu mir gekommen und es stelle sich heraus, dass es sich um Psoriasis handelt.

Kommt es oft vor, dass Menschen garnicht wissen, dass sie unter Schuppenflechte leiden?
Ja. Typisch bei Psoriasis sind etwa Veränderungen an der Kopfhaut. Das tritt bei 90% aller Betroffenen auf. Die meisten Menschen glauben aber, sie hätten nur normale Schuppen. Ich hatte zum Beispiel gerade einen Medizinstudenten, der erst durch einen Vortrag bei mir an der Universität erkannt hat, dass er Schuppenflechte hat. Denn vieles, was aussieht wie ein klassischer Nagel- oder Hautpilz oder Kopfhautschuppen ist eigentlich Psoriasis. Viele Menschen leiden oft jahrelang unter Beschwerden, ohne Bescheid zu wissen.

Gibt es Chancen, die Krankheit wirklich jemals in den Griff zu kriegen? Kann man jemals von Heilung sprechen?
Fast jeden Patienten kann man mit den heutigen Methoden erscheinungsfrei bekommen. Von Heilung kann man aber nicht sprechen. Psoriasis ist und bleibt eine chronisch schubartig verlaufende Erkrankung. Aber wenn man richtig und dauerhaft behandelt, ist der Patient beschwerdefrei. Und das ist auch wichtig, weil Psoriasis zu der Kategorie systemische Erkrankung mit Begleiterkrankungen gehört. Wenn man also die Entzündung, die so charakteristisch für Psoriasis ist, systemisch behandelt, kann man auch das Risiko der Begleiterkrankungen reduzieren. Und die sind ernstzunehmen: Herzkreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, erhöhter Blutdruck, Zuckerkrankheit, Augenentzündungen, Gelenksentzündungen, Entzündungen im Magen-Darm-Bereich oder neurologische Erkrankungen wie Depression gehören dazu.

Hat Komplementärmedizin eine Chance?
Komplementärmedizinisch zu behandeln ist auf jeden Fall sinnvoll. Jeder positive Einfluss auf das Immunsystem und eine Reduktion von Stress reduziert die Entzündung in der Haut und kann einen Schub mindern. Ich empfehle TCM, Akupunktur und Akupressur, sowie Ayurvedische Medizin. Auch Entspannungsübungen zur Stressreduktion, Meditation, gesunde Ernährung und die Gabe von Vitamin D reduzieren Entzündungen.

Helfen Nahrungsergänzungsmittel?
Ja, alles was gezielt das Immunsystem positiv beeinflusst und Entzündungen reduziert. Dazu gehören etwa Vitamin D, Vitamin C und Zink.

Glauben Sie, dass unser moderner Lebenswandel zu Psoriasis beiträgt?
Unsere schnelllebige, stressige Zeit und ungesunde Ernährung haben sicher einen massiven negativen Einfluss. Dabei handelt es sich um Triggerfaktoren, die einen Psoriasisschub auslösen können.

Gibt es neue Forschungsergebnisse zu Psoriasis? Was ist der neueste Stand der Dinge?
Auf diesem Gebiet wird sehr viel geforscht. Der neueste Ansatz nimmt Interleukin 17 unter die Lupe, einen Botenstoff, der eine zentrale Rolle spielen dürfte. Man weiß, dass er auch mit den Begleiterkrankungen zutun hat. Seit kurzem gibt es Injektionen mit einem Interleukin 17-Blocker, die sich der Patient selbst verabreicht. Sie werden bei mittelschweren bis schweren Krankheitsverläufen eingesetzt. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass sie rasch und gut wirken. Bald soll es auch von der Krankenkasse erstattet werden. Recht neu sind auch Interleukin 12/23-Blocker, sowie TNF-Alpha-Blocker bzw. Inhibitoren.

Und sonst, abgesehen von der Gruppe der Biologika?
Da gibt es auch andere, neue Substanzgruppen namens Small Molecules. Sie werden als Tablette verabreicht und blockiert nicht die Botenstoffe, sondern greifen direkt in den Zellstoffwechsel ein. Auch dadurch wird die Entzündung gehemmt. Ein Medikament ist auf diesem Sektor bereits zugelassen, wird aber wie der Interleukin 17-Blocker noch nicht von der Krankenkasse bezahlt. Es gibt aber schon Patienten, die damit behandelt werden, wenngleich diese Präparate alle sehr hochpreisig sind.

Was bringt die Zukunft in der Behandlung von Psoriasis?
Erfolgversprechend ist die Idee einer Creme mit Vitamin D, die wie Kortison wirkt, jedoch ohne die negativen Begleiterscheinungen auskommt. Die Studien dazu sind jedoch erst im Abschluss, es wird noch eine Zeit dauern, bis das Präparat auf den Markt kommt.

Wie kam es, dass Sie sich auf Psoriasis spezialisiert haben?
Das hat sich so entwickelt, weil ich viele Patienten damit betreut habe und in die Thematik hineingewachsen bin. Das Schöne ist, dass man den Patienten helfen kann, weil sie einen großen Leidensdruck haben. Ich habe viele Patienten, die ich jahrelang begleite, und die mir sehr dankbar sind, weil wir ihr Leben zum Positiven verändert haben.

Ihre Top 3-Tipps für Betroffene?
Ich empfehle immer eine gesunde Lebensweise mit Stressreduktion. Bei einer schweren Form rate ich meinen Patienten aufgeschlossen zu sein gegenüber neuen Therapien. Und wenn man andere Erkrankungen bekommt, sollte man immer in Erwägung ziehen, dass das mit der Psoriasis zusammenhängen könnte, etwa eine Augenentzündungen. Mein abschließender Tipp: Machen Sie Ihr Selbstbewusst nicht zu sehr von Ihrer Erkrankung abhängig. Viele Menschen leben in der ständigen Angst, ihre Mitmenschen gleich alles sehen.

Dozent Doktor Paul Sator
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Leiter der Psoriasis-Ambulanz am Krankenhaus Hietzing in Wien

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