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Kurier-Gesundheitstalk: Thema Schuppenflechte

Aufsehen erregte die sehr persönliche und bewegende Schilderung von Dr. Hoch des Verlaufs seiner Krankheit. So meinte er, seine Krankheit komme jedenfalls von innen heraus. Auffallend sei, dass er bis zu seinem 24. Lebensjahr immer wieder Angina hatte. Diese Angina sei nicht Ursache aber einer von mehreren Auslösern.

Weiters wurde von den beiden Fachärzten aufgezeigt, dass zwei Arten von Psoriasis unterschieden werden. Die häufigste Art sind große Plaques, die sehr verdickt, entzündet und stark durchblutet sind sowie die - wesentlich seltenere - Psoriasis pustulosa.

Begleiterkrankungen können dabei Arthritis, Depressionen, Bluthochdruck, Diabetes sowie Fettleber sein. Im Übrigen gäbe es eine gute Methode herauszufinden, ob eine Psoriasis-bedingte Arthritis oder Rheuma (Gelenksbeteiligung) vorliegt. Es gibt dafür ein spezifisches Röntgen.

Problem: späte Diagnose
Einmal mehr wurde davon gesprochen, dass ein großes Problem der meist sehr lange Zeitraum bis zur Diagnose darstellt. Nur in Ausnahmefälle erkennt der Arzt die Psoriasis sofort. Bis zu 60% der Betroffenen haben bereits im Jugendalter Psoriasis. Einige davon bekommen die Diagnose erst zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr.

Unterscheidung der Psoriasis von anderen Krankheiten
Sehr häufig wird Neurodermitis statt Psoriasis diagnostiziert. Wobei die Unterscheidung relativ einfach ist: Psoriasis entsteht meist zuerst auf Knien, Ellbögen und am Kopf, während sich Neurodermitis zuerst in der Kniekehle und in den Ellbogenbeugen bildet.

Seborrhoe ist eine gesteigerte und krankhaft veränderte Absonderung der Talgdrüsen, die auch an den bei Psoriasis befallenen Stellen auftritt.

Bei Akne wiederum kommt es auf dem Boden einer Seborrhoe durch verstärkte Verhornung zur Verstopfung der Follikel. Dadurch entstehen entzündliche Hauterscheinungen. Akne ist eine verstärkte Talgproduktion, die meist das Gesicht (Nase, Stirn, Augenbrauen) aber auch den Brustbereich betreffen. Häufig tritt sie bei jungen Männern und Mädchen auf.

Therapieformen

Die häufigsten Therapieformen sind:
- Biologika und Small molecules

Biologika gibt es seit ca. 15 Jahren. Sie werden bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis angewendet.
Vorteil: Da es Eiweißkörper aus lebenden Zellen sind, sind sie besser verträglich als chemische Substanzen.

Nachteil: Es kann vorkommen, daß Patienten Biologika nicht vertragen.

Fazit: Biologika bringen keine Heilung, aber die Symptome verschwinden für einige Zeit. Sobald man Biologika absetzt kommt auch wieder die Schuppenflechte. Die Dauer der Einnahme und die Dosis ist individuell, da auch die Plaques sowie die Bereiche, die befallen werden, bei jedem unterschiedlich sind – dies sollte unbedingt vorab geklärt werden.

Verabreichung: entweder in Spritzenform (wie bei Diabetes) oder als Infusion, wobei der Vorteil der Spritze ist, dass sie selbst verabreicht werden kann.

- Small Molecules beeinflussen den ganzen Stoffwechsel. Sie wirken nicht so spezifisch wie Biologika. Sie sind etwas billiger, haben aber eine etwas geringere Effektivität.

Wie erhält man Biologika?
Wenn jemand zwei bis drei kleine Plaques hat, werden Biologika eher nicht verschrieben, außer es ist zum Beispiel jemand Berufsmusiker und die Hände und Nägel sind betroffen. Dies liegt im Ermessen des Arztes. Bei einer Krebserkrankung werden Biologika sofort abgesetzt oder von Beginn an nicht verordnet. Sowohl Dermatologen als auch Rheumatologen können Biologika mittels eines Briefs an den Chefarzt verschreiben.

Erstdiagnose – was nun?
Bei der Diagnose durch den Arzt sollte eine Bewertung der Schwere sowie eine klare Auflistung der betroffenen Stellen erfolgen, da mehrere kleine Plaques zuerst einmal lokal mit Salben behandelt werden. Bei der Lokaltherapie werden kortisonhältige Salben verwendet, die rückfettend sind und eine Wasser/Öl-Basis oder ein Vitamin D Derivat beinhalten.

Tipps: Es werden kortisonhältige oder Vitamin D-hältige Salben, Vitamin D und Baby-Öl empfohlen sowie – für die Wiener - der Besuch des PSO Bads an der Alten Donau im Sommer. Eine Empfehlung ist auch der Aufenthalt am Toten Meer. Patienten haben am Toten Meer bereits Polyathritis psoriatica ausgeheilt, die auch danach nie mehr wiederkam.

Welche Nebenwirkungen hat Kortison?
Durch das Kortison wird die Haut dünner (durch Hornhautabbau), dadurch erreicht man eine Besserung. Hier ist aber Vorsicht geboten, denn zu viel Kortison macht die Haut zu dünn. Hier ist unbedingt Rücksprache mit dem Arzt zu halten. Auf keinen Fall darf in der Zeit, diese Hautpartie der Sonne ausgesetzt werden.

Worauf ist am Toten Meer zu achten?

Durch UV-Strahlung wird...

  • die Haut wird dicker
  • die Haut altert schneller
  • die Pigmentierung verstärkt sich

Allerdings ist der Effekt der Strahlung positiv. Der Salzgehalt des Meeres hat wenig Einfluss.

Bedeutung der Psyche auf Psoriasis

Es ist nicht bewiesen, das Psoriasis durch ein belastendes Ereignis aufgetreten ist.

  • Stress kann, muss aber nicht der Auslöser sein, wie wir von Betroffenen und auch von ÄrztInnen erfahren haben
  • Eine Kur wirkt immer beruhigend auf den ganzen Körper und die Seele
  • Ernährung ist individuell, es gibt PsoriatikerInnen, die beobachtet haben, dass sie nach gewissen Lebensmittel einen Juckreiz oder Schub bekommen. Viele beobachten solche Veränderungen überhaupt nicht.
  • Übergewicht, übermäßig viel Nikotin und Alkohol ist prinzipiell schlecht, das gilt nicht nur für Psoriasis.
  • Entzündungszellen sitzen auch im zentralen Nervensystem, das kann auch im Gehirn sein.
  • Patienten berichten, das durch Meditation ihre Krankheit positiv beeinflusst wurde

Wichtig ist dabei immer zu bedenken, dass Psoriasis (Schuppenflechte) eine nicht ansteckende, chronisch entzündliche Hauterkrankung ist.

Unterschied Kosmetika - medizinische Produkte
Kosmetika glätten die Haut und sind nur Pflegemittel. Medizinische Produkte sind unterliegen dem Arzneimittelgesetz und müssen vom Arzt verschrieben werden

Nagelpsoriasis
Das Problem ist, das man die Ursache, sprich die kranken Zellen, nicht sieht, da sie tief im Nagelbett liegen. Der Nagel kann sich verdicken, verfärben und ablösen.

Wie kann man Psoriasis im Gesicht behandeln?
Psoriasis im Gesicht kann am besten mit Vitamin D oder mit Kortison behandelt werden.

Betablocker
In Beipackzetteln steht unter anderem, dass Betablocker Auslöser für Psoriasis sein können. Dies stimmt nicht. Es müssen vorher schon Dispositionen vorhanden gewesen sein, erst dann kann Psoriasis auftreten.

Fazit
Die Experten sind sich einig, dass die Zukunft in diesem Bereich den Biologika und Small Molecules gehört. Es gibt allerdings Patienten, die über einen längeren Zeitraum erscheinungsfrei waren und nach 1 ½ bis 12 Jahre die Krankheit wiederkam.

Liebe Leser, bitte sehen Sie von Zeit zu Zeit auf unsere Homepage, da sehr oft kurzfristige Informationsveranstaltungen stattfinden – DANKE!

Verfasst von Gabriele Schranz

Obfrau, PSO Austria

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