Dr. Thomas Schwingenschlögl

Schuppenflechte:

Angriff auf Gelenke und Organe

Da häufig der Intimbereich von der Psoriasis betroffen ist, leidet auch das Sexualleben und die Beziehung zum Partner.

Aber darüber hinaus geht die Schuppenflechte häufig mit Gelenks- und Kreuzschmerzen, geschwollenen Gelenken sowie Sehnen- und Muskelschmerzen einher.

Diese Kombination von Psoriasis und Gelenksentzündung (=Arthritis) ist seit mehr als 200 Jahren bekannt. Bei bis zu 50% der Patienten mit Psoriasis tritt eine Gelenksentzündung auf. Vor allem bei schweren Hautveränderungen und einem Befall der Finger- und Zehennägel sind Gelenksentzündungen besonders häufig. Die Psoriasisarthritis (PsA) kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten. Meist beginnen die Beschwerden zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr. Frauen und Männer sind gleich häufig betroffen.

Solch eine Erkrankung von Haut und Gelenken ist nur möglich, wenn unser Immunsystem gestört ist und eine Entzündung in unserem Körper zulässt. Man spricht von einer Autoimmunkrankheit. Da darf es nicht wundern, wenn zusätzlich auch innere Organe wie Darm, Nieren oder Augen von der Entzündung mit betroffen sind.

Bei folgenden typischen Symptomen sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen:

  • Gelenksentzündungen: Meist an den Finger- und Zehenmittel- und Endgelenken. Oft ist ein ganzer Finger oder eine Zehe wurstförmig verschwollen (Daktylitis). Häufig sind auch die großen Gelenke der Beine wie Knie, Hüfte, Sprunggelenke oder Fußwurzelgelenke betroffen. Die entzündeten Gelenke sind geschwollen, gerötet, heiß, druckempfindlich und sehr schmerzhaft. Wird nicht behandelt, dann verformen sich die Gelenke und werden steif. Im Unterschied zur rheumatoiden Arthritis sind die Gelenke häufig asymmetrisch befallen. 
  • Wirbelsäulenbefall: Entzündliche Veränderungen an Wirbelsäule und Kreuzdarmbeingelenken äußern sich als tiefsitzende Kreuzschmerzen, Ruheschmerzen beim Liegen und als eine ausgeprägte Morgensteifheit. 
  • Die Haut: Die Schuppenflechte kann von milden Verläufen mit einzelnen Flecken am Kopf oder Nabel bis hin zu einem Ganzkörperbefall alle Varianten zeigen. Finger- und Zehennägel sind so gut wie immer befallen. Stecknadelkopfgroße Grübchen, weißlich bis gelblich-braune glänzende Stellen im Nagel (sogenannte Ölflecke) und ein Abheben des Nagels vom Nagelbett sind typische Merkmale der Schuppenflechte. Die psoriatischen Veränderungen gehen der Arthritis meist einige Jahre voraus, können manchmal aber sogar erst nach Ausbruch der Gelenksentzündung auftreten. 
  • Weichteilentzündungen: Charakteristisch sind Entzündungen der Sehnenansätze wie z.B. am Fersenbein, an der Achillessehne, am Brustbein, an den Beckenknochen oder am Ohrknorpel. Viele Betroffene schildern wandernde Muskel- und Bindegewebsschmerzen am ganzen Körper.

Bei manchen Patienten finden sich auch Veränderungen an den Augen wie Bindehaut- oder Regenbogenhautentzündungen, Entzündungen der Harnwege oder chronische Darmentzündungen. Bei Blutuntersuchungen sind hohe Entzündungswerte (Blutsenkung, CRP) auffällig. Der Rheumafaktor selbst ist meist negativ. Dafür kann in vielen Fällen der genetische Marker HLA-B27 nachgewiesen werden.

Wird die Psoriasisarthritis nicht rechtzeitig behandelt, kommt es zu starken Gelenksverformungen und Dauerschmerzen. Eine schnelle Diagnose und der sofortige Beginn einer effizienten Therapie sind daher besonders wichtig.

Immuntherapie

Ursache der Psoriasisarthritis ist eine Störung unseres Immunsystems, welches überaktiv ist und sich gegen unseren eigenen Körper richtet. Über diese Fehlsteuerung wird eine Entzündung in unseren Gelenken und der Wirbelsäule ausgelöst.

Durch die Gabe sogenannter „Basismedikamente“ gelingt es den Ärzten das überaktive Immunsystem auf ein normales Niveau herunterzufahren. Dabei kommt es zu einem Stillstand der Entzündung in Gelenken, Wirbelsäule und inneren Organen. Entzündlich bedingte Schmerzen, Schwellungen und die Bewegungseinschränkung lassen nach.

Traditionelle Basismittel wie Methotrexat, Sulfasalazin, Leflunomid oder Cyclosporin A stehen seit Jahren zur Verfügung.

Speziell die Entwicklung von neuen Substanzen, die die entzündlichen Botenstoffe unseres Immunsystems direkt blockieren wie die TNF-Alpha-Blocker, hat zu einer Revolutionierung der Therapie geführt. Diese neuen Mittel werden mit dem Namen "Biologika" bezeichnet. Sie können entweder als Infusion oder subcutan, das heißt unter die Haut gespritzt, verabreicht werden. Im Gegensatz zu den bislang zur Verfügung stehenden Therapien führen Biologika meistens zu einem völligen Stillstand der Entzündung und Gelenkszerstörung. Die Patienten sind oft schon nach kurzer Zeit schmerzfrei. Gleichzeitig kommt es auch zu einer wesentlichen Verbesserung oder zum Verschwinden der Schuppenflechte. Neben den TNF-Blockern ist auch die Blockade anderer Botenstoffe wie Interleukin 12, 17 und 23 zur Behandlung der Psoriasisarthritis zunehmend interessant.

Darüber hinaus ist eine weitere neue Generation von Rheumamedikamenten verfügbar: die sogenannten „Small Molecules“. Darunter versteht eine Gruppe neuer Medikamente mit kleiner Molekülmasse, die man oral verabreichen kann. Im Gegensatz zu den bisher zur Verfügung stehenden Biologika (als Infusion oder subcutan), die nur einzelne Botenstoffe (Zytokine) oder ganze Zellpopulationen des Immunsystems angreifen, um die rheumatischen Entzündungen zu stoppen, greifen die Small Molecules in den Zellen (intrazellulär) verschiedene Informationswege an, sind also breiter aufgestellt. Mit diesen Arzneien können auf einmal sehr viele Zytokine blockiert werden.

Jeder Rheumapatient ist anders und braucht natürlich sein individuelles Therapieschema.

Dr. Thomas Schwingenschlögl
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