Trotz Kopf-Psoriasis

Haare färben?

Kopfhaut nimmt Inhaltsstoffe leichter auf

Die Kopfhaut wird durch Haarfarbe immer gereizt. Jede mechanische oder chemische Belastung der Haut kann eine Schuppenflechte verschlimmern (Köbner-Phänomen). Hinzu kommt, dass die Schutzfunktion der Hautbarriere bei einem aktuellen Psoriasis-Schub herabgesetzt ist. Dann können Stoffe der Haarfärbemittel leichter auch in die Haut eindringen. Das ist besonders riskant, wenn man offene Schuppenflechte-Stellen hat. Deshalb sollte man die Haare erst dann färben, wenn man die Kopf-Psoriasis gut im Griff hat.

Schonender für die Haut ist es, wenn die Haare fachgerecht, also zum Beispiel von einer Friseurin, gefärbt werden. Im Gegensatz zur Prozedur zuhause gelangt dann weniger Farbe direkt auf die Kopfhaut. Am wenigsten wird sie bei (Folien-) Strähnen belastet.

Wer seine Psoriasis auf dem Kopf mit einem Mittel behandelt, sollte klären, ob es Wechselwirkungen mit dem Haarfärbemittels geben könnte. Sonst kommt es eventuell zu unerwünschten Farben oder zu Nebenwirkungen. Das kann man in der Apotheke erfragen oder direkt beim Hersteller.

 

Künstliche Haarfarben

Die meisten greifen zu chemischen Mitteln, weil damit jeder Farbwunsch umgesetzt werden kann. Außerdem hält die Farbe länger. Das Risiko: Künstliche Haarfarben enthalten Ammoniak und allergieauslösende Substanzen. Vor allem wegen der Allergene schreibt die EU-Kosmetikverordnung für Haarfärbemittel Warnhinweise vor: „Dieses Produkt ist nicht für Personen unter 16 Jahren bestimmt“. Jugendliche sind besonders allergie-gefährdet!

 

Ammoniak schwächt Hautbarriere

Ammoniak bewirkt, dass die Haare die Farbe besser aufnehmen. Gleichzeitig verändert es die Kopfhaut basisch (alkalisch). Die wird dadurch durchlässiger, z.B. auch für Chemikalien des Färbemittels. Künstliche Haarfarbe ohne Ammoniak riecht zwar besser, wirkt aber schlechter und kann die Haare angreifen.

 

Starke Kontakt-Allergie möglich

Zwei Farbstoffe lösen besonders intensiv Kontaktallergien aus: PPD (Para-Phenylendiamin) und PTD (Para-Toluylendiamin). Wer allergisch auf PPD reagiert, tut das auch auf den Ersatzstoff PTD. Die meisten PPD-Allergien entwickeln sich durch den erstmaligen Kontakt mit anderen Produkten: dunkel gefärbte Textilien, Leder, Schuhe, Lacke, Schwarzgummi, manche Kunststoffe, Henna-Körperfarben sowie Tinte und Druckertinte.

In Haarfärbemitteln ist es bis zu einer bestimmten Menge dann erlaubt, wenn zusätzlich Stoffe enthalten sind, die das PPD neutralisieren. Wer aber erst einmal darauf allergisch reagiert, muss PPD-haltige Produkte meiden. Die weltweit größte Datenbank für Kontaktallergien an der Uni Göttingen geht davon aus, dass 12 von 1.000 Deutschen auf PPD allergisch reagieren. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sagt, dass in europäischen Hautkliniken 3 bis 5 Prozent der Patienten PPD-allergisch sind, davon ein Drittel von Haarfärbemitteln. Neben PPD und PTD sind weitere Allergene im Haarfärbemittel möglich.

 

Allergie-Test nicht selbst machen

Oft wird geraten, z.B. in der Armbeuge auszuprobieren, ob man ein Haarfärbemittel verträgt. Experten vom BfR raten von diesem Selbsttest ab: Wer wissen will, ob er allergisch auf PPD oder verwandte Stoffen reagiert, sollte beim Arzt einen Allergietest machen lassen. Ansonsten riskiere man, die Allergie durch den Kontakt erst auszulösen, so das BfR. Das trifft nicht zu auf diejenigen, die sich schon seit langem problemlos ihre Haare färben. Die werden vermutlich kaum noch eine PPD-Allergie entwickeln. Gefährdet seien aber alle, die bereits andere Allergien haben, wie z.B. auf Duftstoffe oder Nickel. Die sollten ihre Haare anstatt zu färben nur tönen.

 

Kein Blasenkrebs durch künstliche Haarfarben

In der Szene der „Alternativmedizin“ wird immer noch behauptet, dass chemische Haarfärbemittel Blasenkrebs verursachen könnten. Das ist „Schnee von gestern“, sagt Professor Thomas Platzek (BfR). „Mit den heute am Markt angebotenen permanenten Haar­farben besteht kein Risiko. Sie sind alle durch aufwendige Zulassungs­verfahren gelaufen.“

 

Pflanzliche Haarfarben

Risikolos dagegen sind pflanzliche Haarfarben, sofern sie reine Naturstoffe sind. Dazu gehören Henna, Walnussschalen, Curcuma, Johannisbeeren, Baumrinden, Rhabarberwurzel, Hibiskus und Kaffee. 

 

Achtung: Gefährliche Beimischungen

Aber selbst bei den als „natürlich“ angebotenen Pflanzenfarben kann man nicht sicher sein. So wurden in Tests krebsverdächtige und allergieauslösende Stoffe gefundenHenna-Haarfarben enthielten z.B. PPD, damit es schneller geht und intensiver wirkt. Vor allem in Asia-Läden, so dass BfR, werden solche Haarfärbemittel angeboten.

Produkte ohne Angabe der Inhaltsstoffe sollte man meiden. Die Bezeichnung „Natur“ ist nicht geschützt. Angaben wie „auf pflanzlicher Basis“ oder „überwiegend pflanzlich“ sind verdächtig. In Naturprodukten aus außereuropäischen Ländern sind regelmäßig Schadstoffe gefunden.

 

Sichere Pflanzen-Haarfarben

Bei Bio-Siegeln für Kosmetika dagegen weiß man, dass es sich um reine Naturprodukte aus ökologisch kontrolliertem Anbau handelt, wie z.B. NaTrue oder BDIH.

Quelle: psoriasis-netz.de

 

 
 
 

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