Entzündung erst verstehen – und dann möglichst früh stoppen

Bei einer Autoimmunerkrankung kann das Immunsystem nicht mehr zwischen eigenem Gewebe und einer Bedrohung von außen unterscheiden. Es löst als Abwehrreaktion eine Entzündung aus. Das fängt meist in einem Organ an, zum Beispiel im Darm oder wie bei der Schuppenflechte in der Haut. Bei vielen Betroffenen breitet sich die Entzündung im Lauf der Zeit von dem anfangs befallenen Organ auf andere Bereiche im Körper aus.

 

Der Rheumatologe Dr. Andreas Ramming kennt das Problem. An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) forscht er mit Kollegen dazu. Sie wollen neue Ansätze zur Behandlung der Autoimmunerkrankungen finden. Dafür untersuchen die Mediziner molekulare Mechanismen, die eben jene Ausbreitung der Autoimmunreaktion auf andere Regionen im Körper „triggern“ – also auslösen. 

 

Psoriasis arthritis als Modellerkrankung

In den letzten Jahren haben Andreas Ramming und sein Team Daten gesammelt und erste molekulare Signaturen entdeckt, die anscheinend diese verhängnisvolle Entwicklung begünstigen. Nun wollen die Mediziner den Prozessen dahinter tiefer auf den Grund gehen und verstehen, welche Zellen beteiligt sind. Fest steht bereits, dass die vor einigen Jahren entdeckten angeborenen Immunzellen – so genannte Innate Lymphoid Cells – eine bedeutendere Rolle spielen als bislang vermutet.

 

Jetzt wollen Ramming und seine Kollegen die experimentellen Ansätze weiterverfolgen, die sie in den letzten Jahren ausgetüftelt haben. Ihre Pläne sind groß: Sie wollen möglichst einen ganz neuen Therapieansatz für Autoimmunerkrankungen entwickeln und am liebsten die Ausbreitung der Entzündung gleich von Beginn an verhindern, anstatt sie hinterher symptomatisch zu behandeln. Dieser Ausbreitungsdrang nämlich lässt sich bei vielen Krankheiten beobachten: von Multipler Sklerose über Morbus Crohn bis hin zur Rheumatoider Arthritis. Als Modellerkrankung für seine Forschung aber hat Ramming die Psoriasis arthritis ausgewählt, weil „bei dieser Krankheit besonders häufig Entzündungen, die zunächst auf der Haut beginnen, im Verlauf der Jahre auf Gelenke und Sehnen übergreifen“, heißt es in einer Mitteilung der Uni.

 

„Aktuell gibt es noch keine Therapien, um die Ausbreitung der Erkrankung gleich von Beginn an zu verhindern“, erklärt der Wissenschaftler. „Sicherlich wird es noch einige Zeit dauern, bis wir eine Behandlungsmethode entwickeln – aber wir hoffen, in den kommenden Jahren einen bedeutenden Schritt weiterzukommen und bald auch Patienten mit diesen Erkrankungen Erleichterung verschaffen zu können.“

 

Die Chancen stehen gut: Die Truppe hat für das Projekt jüngst eine Förderung über 1,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat (ERC) bekommen. Ein solches sogenannte ERC Starting Grant soll jungen Wissenschaftlern die Chance geben, eigene Arbeitsgruppen auszubauen.

 

Quelle: www.psoriasis-netz.de

 

 

 
 
 

Verein und Selbsthilfegruppe der PsoriasikerInner in Österreich | Tel.: 0664/73 111 991 | Bürozeiten: nach telefonischer Vereinbarung | office@psoriasis-hilfe.at