Dr. Knut Prillinger

Psoriasis-Vortrag

Neue Chancen in der System- und Biologikatherapie bei Psoriasis

„Dank neuer Behandlungen kann das Leben von Psoriasis-Patienten erheblich verbessert werden“, das ist die zentrale Botschaft von Dr. Knut Prillinger, Leiter der Psoriasis-Ambulanz des Universitätsklinikums Sankt Pölten. Im Rahmen des Psoriasis-Informationstags der PSO Austria zeigte der Experte aktuelle Entwicklungen in der Therapie von Schuppenflechte auf. Zahlreiche Betroffene und Angehörige wohnten dem Event in Wien bei.

Neue Biologika können  komplett reine Haut ermöglichen

Im Fokus des Vortrags stand die Behandlung der Psoriasis vulgaris, auch Plaquepsoriasis genannt. Sie zählt zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen und ist durch scharf begrenzte schuppende Rötungen charakterisiert. Diese Hautveränderungen können jucken und treten bevorzugt am Kopf, Ellbögen und Knien auf. Heute können Patienten eine breite Palette an Therapiemethoden nutzen. Dazu zählen etwa topische Therapien wie Salben und Cremen für leichte Krankheitsausprägung. Für mittelschwere bis schwere Psoriasis kommen Lichttherapien und Systemtherapien zum Einsatz. Bei den Systemtherapien stehen Medikamente in Form von Tabletten zur Verfügung aber auch die Gruppe der Biologika. Diese werden in lebenden Zellen hergestellt und deshalb als Injektion oder Infusion verabreicht. 

„Speziell Biologika haben die Therapie von Psoriasis in den letzten 20 Jahren revolutioniert“, stellte Dr. Prillinger fest. Mittlerweile gibt es verschiedene Biologikatherapien, die unterschiedliche Botenstoffe – welche für die Entzündung der Haut verantwortlich sind – hemmen. Dazu zählen etwa TNF-alpha oder Interleukine. „Mit der aktuellen Generation des Wirkstoffs Interleukin-23 ist in vielen Fällen eine nahezu oder sogar komplett befreite Haut möglich. Biologika weisen zudem wenige Nebenwirkungen auf und werden seit zwei Jahrzehnten streng auf ihre Verträglichkeit überwacht“, so Dr. Prillinger.

Mit wissenschaftlichen Methoden zu klaren Therapiezielen

Wann ist welche Therapie für Patienten sinnvoll? Diese Frage ist für Dr. Prillinger mit jedem Patienten individuell zu klären. Neben Kriterien wie Schweregrad der Erkrankung spielen auch Alter, Geschlecht oder der Gesundheitszustand eine Rolle. Vor dem Beginn einer Biologikatherapie ist eine Abklärung auf Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Hepatitis-A/B/C oder HIV wichtig. 

Auf der Suche nach dem geeigneten Ansatz helfen zwei wissenschaftlich fundierte Instrumente: Der „Dermatology Quality of Life Index" (DLQI) hinterfragt, inwieweit verschiedene Lebensbereiche des Patienten beeinträchtigt sind. Der „Psoriasis Area and Severity Index“ (PASI) misst die Ausdehnung der Plaques sowie deren Rötung, Schuppung und Dicke. Generell gilt: Als leichte Psoriasis wird definiert, wenn die Haut in einem Ausmaß von weniger als zehn Handflächen betroffen ist. Liegt das Ausmaß darüber oder sind besonders empfindliche Stellen betroffen – wie Intimbereich, Kopfhaut, Hände oder Nägel – spricht man von einer mittelschweren bis schweren Psoriasis. 

Diese Messmethoden ermöglichen es, realistische Ziele zu setzen und den Erfolg einer Therapie zu prüfen. „Für die meisten Patienten ist eine reine Haut das erklärte Therapieziel“, berichtete Dr. Prillinger, „mit den heutigen Therapien können wirklich gute Behandlungserfolge erreicht werden.“ Wichtig: Patienten dürfen nicht resignieren, wenn sie mit ihrer Therapie unzufrieden sind. Nur wer aktiv auf seinen Dermatologen zugeht, kann die passende Behandlung finden.

Sich laufend informieren und aktiv bleiben

Vor allem bei Biologika hat die Forschung und Entwicklung rasant an Fahrt aufgenommen. Ein Blick in die Ärztedatenbank PubMed verrät: Insgesamt sind zurzeit über 3.000 Publikationen zu Schuppenflechte im Umlauf. „Für uns Dermatologen ist es daher umso wichtiger, am Ball zu bleiben“, hebte Dr. Prillinger hervor. „Nur so können wir unser Ziel erreichen: die bestmögliche Lösung für unsere Patienten zu finden.“

Der PSO Infotag der PSO Austria wurde vom Biopharma-Unternehmen AbbVie unterstützt.

Aktuelle Biologika auf einen Blick

Während TNF-alpha Blocker alle ein bis zwei Wochen verabreicht werden müssen, sind es bei neuen IL-Blockern zwei bis drei Monate.

Botenstoffe, die die Entzündung auslösen und mittels Biologika-Therapie gehemmt werden

 

Wirkstoffe der aktuell verfügbaren Biologika

TNF-alpha Blocker

 

  • Certolizumab 
  • Adalimumab 
  • Etanercept 
  • Infliximab

 

IL12/23 Blocker

  • Ustekinumab 

 

IL17A Blocker

 

  • Secukinumab
  • Ixekizumab

 

IL-17A Rezeptor Blocker

  • Brodalumab 

 

Il-23 Blocker

 

  • Guselkumab 
  • Tildrakizumab 
  • Risankizumab

 

 

Zur Person: Dr. Knut Prillinger

Dr. Knut Prillinger ist Leiter der Psoriasis-Ambulanz des Universitätsklinikums Sankt Pölten. Sein Fokus liegt in der Abklärung und Therapie von Schuppenflechte und allgemeinen chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen. Weitere Schwerpunkte sind Dermatologische Vorsorgemedizin, Hautkrebserkrankungen, Haarerkrankungen und Kinderdermatologie.

 

 
 
 
 

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